Industrielle Leinölfarbe

Warum industrielle Leinölfarbe?

Neben den Schlammfarben ist Leinöl, als vermutlich älteste Kulturpflanze des Menschen, bereits seit sehr langer Zeit als Holzschutz verwendet worden. Im deutschsprachigen Raum kaum noch in dieser Form zu bekommen, wird Leinölfarbe in Skandinavien immer noch vielen anderen Farben vorgezogen. Warum?

Leinölfarbe bringt Vorzüge mit, die in dieser Kombination in unseren dünnschichtigen Lasuren oder Baumarktfarben kaum noch zu finden ist:
Durch den feinmolekularen Aufbau des Leinöls, dringt dieses tief in die Holzporen ein und füllt diese aus (was Naturöle gegenüber mineralischen oder synthetischen Ölen können). Auf diese Weise wird gerade ein Nadelholz wie Fichte oder Kiefer gegen das Durchschlagen von Harzen gehemmt. Auch das Arbeiten des Holzes ist durch diesen Sättigungszustand erheblich minimiert. Ferner schränkt es die Rissbildung dieser Hölzer ein, vorhandene Risse im Holz werden gekittet.
Industrielle Leinölfarbe ist wasserabweisend. Ein natürlicher Schimmelschutz geht damit einher. Und die Standzeit? Sie beträgt bei richtiger Grundierung im Aussenbereich 6-12 Jahre und auch mehr. Ist richtig grundiert worden, wird eine Leinölfarbe nicht rissig sondern kreidet eher ab, wenn sie in die Jahre gekommen ist.


In dieser Kombination an Vorzügen reicht kaum eine andere Holzfarbe heran. Sie bringen dafür andere Qualitäten mit, die man unter "leicht zu verarbeiten" oder "günstig in der Produktion" ablegen kann.

Zur Grundierung:
Wie fast alle anderen Farben auch (ausser Schlammfarben und die meisten Dünnschichtlasuren), muß vorher auf unbehandeltem Holz grundiert werden. Idealerweise wird mit Grundieröl eine erste Penetration des Holzes vorgenommen. Danach folgt ein Sperr- und Haftgrund. Die Schweden nehmen hier bevorzugterweise Leinölfarben und Balsamterpentin, jeweils im Verhältnis 50:50. Die Farbe ist nun dünn wie eine Lasur, sorgt aber durch oben beschriebene Eigenschaften für optimale Verhältnisse für die folgenden 1-2 Deckanstriche.
Warum 1-2 Deckanstriche? Prinzipiell sollten alle Neuanstriche einen doppelten Anstrich erfahren, um zum einen eine gleichmässige Verteilung der Farbe im Holz zu erwirken, zum anderen um die Standzeit zu erhöhen. Wird nur einmal gestrichen, erlaubt die Farbe aber auch noch eine Restsicht auf die Holzmaserung. Mit dem 2. Anstrich wäre diese dann nicht mehr sichtbar. Perfekt sind übrigens drei Anstriche: alle leicht verdünnt! Viele dünne Schichten sind besser als eine dicke!

Die Trocknung? Nun ja, die Natur läßt sich Zeit, rechnen Sie mit 24-48 Stunden, ehe ein Deckanstrich fingertrocken ist! War es ein Sperr- und Haftgrund (besagtes Gemisch aus jeweils 50% der Leinölfarbe und an Balsamterpentin), liegt die Trocknung im Bereich von 4-8 Stunden.

Standzeit: 6-12 Jahre
Ergiebigkeit: 6-10qm / Liter
Glanzwert: schwach glänzend (30-35), anfänglich bis zu 50 (halbglänzend, gilt für die ersten Wochen nach dem Neuanstrich)


Alkydfarben bzw. Ölfarben im Allgemeinen bilden mit der Zeit eine auskreidende Oberfläche: durch UV-Einfluß verbrennen Pigmente auf der obersten Farbschicht und hinterlassen eine mehlige Beschichtung auf der Farbe. Dieses "Pulver" kann mit Fassadenreinigern oder auch mit einem ölgetränktem Lappen abgewischt werden. Die zunächst vermeintlich stumpfe oder auch blässliche Oberfläche sieht dann wieder wie frisch gestrichen aus.
Dieses Auskreiden stellt keinen Mangel dar sondern erklärt sich als Selbstreinigung, ähnlich wie bei Schlammfarben.
Die Standzeit (Haltbarkeit der Farbe mit ihrer Schutzwirkung für das Holz) ist davon unberührt. Je nach Bewitterung ist diese Farbe nach 6-12 Jahren mit einem Renovierungsanstrich zu überstreichen.
Die Standzeit hängt maßgeblich vom Untergrund und der Bewitterung ab: wenn richtig grundiert wurde, liegt diese Farbe im Mittel bei 8 Jahren an Standzeit. Auf sehr stark bewitterten Bereichen wie z.B. Zäunen oder auch an der See oder in Höhenlagen, können es mal 6 Jahre sein, an wetterabgewandten Seiten bis zu 12 Jahre.


Schwedischer Farbenhandel 2014 (C)