Grundierung  allgemein – warum grundieren?

Eine Grundierung ist immer dann nötig, wenn Sie einen Untergrund wie Holz oder Putz erstmals streichen möchten – das Material also neu, unbehandelt oder abgeschliffen ist. Das „Warum?“ erklärt sich aus dem Wort selber: Es muss ein Grund gelegt werden, quasi ein Fundament, ehe eine Beschichtung wie Farbe oder Lasur folgt – nur so haften diese dauerhaft an und erreichen die optimale Standzeit.

Holz im Außenbereich

Holz nimmt Feuchtigkeiten auf
Holz ist ein recht lebendiges Produkt. Durch seine Struktur ist es sowohl elastisch als auch oberflächenhart.

Das eigentliche Problem bei Holz ist, daß es Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wird Holz feucht, durch direkten Regen oder die allgemeine Umgebungs-feuchtigkeit, dehnt es sich entsprechend aus. Diese Ausdehnung ist für eine Farb- oder Lasurschicht mehr als schlecht, weil diese Beschichtung härter ist und das Arbeiten des Holzes nur begrenzt mitmacht. Rissbildung ist die Folge, Farbe blättert ab.

Natürlich kommt Wasser auch wieder aus dem Holz heraus – wenn es im Außenbereich wieder trockener und durch Sonneneinwirkung wärmer geworden ist. Ein Problem im Herbst/Winter, wenn Feuchtigkeiten mangels Wärme im Holz bleiben – teilweise über Wochen und Monate…

Kommt das Wasser durch Aussenwärme dann wieder aus dem Holz, nimmt es dann zumeist auch Holzinhaltstoffe mit an die Oberfläche, wodurch das Holz auslaugt. Wer sein Holz lediglich mit einem Bläueschutz vorgestrichen hat, wird bestätigen können, daß das Holz mit der Zeit trotzdem Bläue bekommen hat, weil die Biozide mit dem Wasser herausgetragen wurden.

Verhindern, daß das Holz feucht wird
Um zu verhindern, daß Wasser ins Holz gelangt und Staunässe, Bläue, Moosbildung an der Oberfläche oder Rissbildung in Holz und Beschichtung entstehen kann, sollte ein Nadelholz unbedingt mit einem Grundieröl vorgestrichen sein.
Ein Grundieröl zieht ins Holz ein, die enthaltenen Öle härten darin aus und nehmen Wasser den Raum.

Kein Wasser bedeutet: Keine Fäulnis,  keine Rissbildung im Holz, entsprechend keine Rissbildung in der Farb-/Lasurschicht.

Mit dem Grundieröl im Holz, kann man sogar eine diffusionsoffene Farbe oder Lasur benutzen, weil das Holz nicht mehr feucht werden kann.
Denn sofern irrtümlich eine diffusionsoffene Farbe oder Lasur verstrichen wurde, ohne vorher zu grundieren, hat man dem Wasser zum Holz hin Tür und Tor geöffnet.

Auf gehobeltem (glattem) Holz, folgt als zweiter Anstrich ein Sperr- & Haftgrund – nur so haftet die Farbe dauerhaft an. Zudem wirkt der Sperr- & Haftgrund risshemmend und mindert das Austreten von Harzen aus Harzgallen.

Grundsätzlich gilt: Eine Farbe hält nur so gut, wie gut der Untergrund ist. Auf neuem, unbehandeltem, druckimprägnierten (KDI) oder abgeschliffenem Holz grundieren Sie zunächst mit Grundieröl, auf gehobeltem (glatten) Holz gefolgt vom Sperr- & Haftgrund: Nur so schützen Sie Ihr Holz und erreichen die optimale Standzeit.

Verarbeitungs-Tipps:
Bevor Sie mit dem Grundieren beginnen, muss das Holz trocken, die Oberfläche sauber sein.
Nachdem Sie das Grundieröl mit einem Pinsel in das Holz eingearbeitet haben, lassen Sie es 1-2 Tage trocknen, bzw. so lange, bis sich die Oberfläche trocken anfühlt.

Nach spätestens 7 Tagen, tragen Sie den Sperr- & Haftgrund mit einem Pinsel auf und lassen auch diesen 1-2 Tage trocknen, bzw. so lange, bis sich die Oberfläche trocken anfühlt.
Sind Grundieröl und Haftgrund auf Ihrem Holz, ist es ohne folgenden Farbanstrich bis zu einem Jahr geschützt. Falls also etwas dazwischen kommt oder Temperaturen und Luftfeuchte nicht mitspielen – machen Sie sich keine Sorgen um Ihr Holz.
Gleiches gilt für die folgenden, beiden Anstriche mit der gewünschten Farbe: Lassen Sie den ersten Anstrich nach entsprechender Angabe auf dem Datenblatt trocknen, ehe Sie frühestens den zweiten Anstrich vornehmen – für diesen haben Sie jedoch ebenfalls bis zu einem Jahr Zeit.

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Diffusionsoffene Farbe ohne Grundierung verstrichen

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Auf dem linken Bild ein Beispiel:

Eine diffusionsoffene Farbe wurde ohne Grundierung direkt auf das Holz gestrichen. An den gelblichen Flecken ist erkennbar, daß Feuchtigkeiten durch die Farbe ins Holz gekommen sind und nun im Wasser gelöste Holzinhaltstoffe über die Farbschicht wieder abgegeben werden.
Hier kommt es regelmäßig zur Staunässe im sowie zum Auslaugen des Holzes. Staunässe deswegen, weil das Wasser so lange im Holz bleibt, bis von aussen Wärme auf die Oberfläche einwirkt und das Wasser sich dann an die Oberfläche begibt.
Die gelblichen Flecken sind im Übrigen nicht abwaschbar. Hier kann man nur noch mit der Farbe alles überstreichen…

Diffusionsoffen/Atmungsaktiv – ein Mythos?

Diffusionsoffen wird übrigens im allgemeinen Sprachgebrauch auch „atmungsaktiv“ genannt. Da Holz keine Lunge hat und somit keine aktive Sauerstoffzufuhr benötigt, ist das natürlich Quatsch. Es geht immer um das Wasser, welches immer nur von der Wetterseite ins Holz gelangt, nicht von innen immer wieder nachdrückt.

Ebenfalls Quatsch: Ein Wohnhaus mit hinterlüfteter Fassade erstickt nicht, wenn die Außenfassade mit nicht-diffusionsoffener Farbe oder Lasur gestrichen wurde. Selbst wenn Feuchtigkeiten sich auf die weite Reise durch die Innenwände machen sollten, würden sie an eine hinterlüftete Zwischenschicht kommen und dort abdunsten.

Tun Sie sich und Ihrem Holz einen großen Gefallen: Achten Sie nicht auf Produkte mit dem Hinweis „Diffusionsoffen/Atmungsaktiv“ sondern auf die richtige Grundierung des Holzes!

Und: Wurde eine diffusionsoffene Farbe mehr als 2x gestrichen, ist diese zumeist schon nicht mehr diffusionsoffen. Zwar kann dann noch immer Feuchtigkeit leicht eindringen, kommt dann aber kaum noch raus…

Holz im Innenbereich

Wer Holz im Innenbereich streichen möchte, wird im Regelfall nicht mit den oben beschriebenen Feuchtigkeitsproblemen konfrontiert. Dennoch gibt es auch hier „Spielregeln“ bei der Behandlung:

Holzmöbel
Es spielt auch im Bereich von Möbeln eine nicht ganz unerhebliche Rolle, ob man eine deckende Farbe direkt aufs Holz aufbringt oder zuvor nicht evtl. doch eine Grundierung vorstreicht. Ähnlich wie beim Boden, braucht auch diese nur geringfügig weniger stark belastete Fläche einen Farbanstrich mit dem richtigen Grip.

Am Beispiel eines Stuhls oder eines Tisches ist es typisch zu beobachten, daß scharfkantige (Besteck auf dem Tisch) oder spitze Gegenstände (Nieten an der Hose, Beispiel: Stuhl) die Oberfläche des Holzmöbels stark belasten können. Ohne den richtigen „Grip“ wird eine Farbe schnell abgeschabt, Abplatzer entstehen.

Holzböden (Dielen)
Natürlich kann man Holzböden mit Farbe streichen.

Allerdings scheuen sich sowohl Maler als auch Farbenhändler, entsprechende Produkte anzubieten. Die Aussage lautet dann häufig: „Nein, Farbe kann man nicht auf Holzböden streichen. Nehmen Sie besser ein Öl oder maximal eine Lasur.“ Interessante Antwort. Da die Skandinavier ausgesprochen gerne Ihre Holzböden mit deckender Farbe streichen: Stellt sich die Frage, wie die das hinbekommen…

Generell spielt die Holzart eine wichtige Rolle, ebenso der Umstand, daß ein unbehandelter Holzboden mindestens zwei, besser drei Anstriche benötigt. Da Bodenfarben zwar recht zeitnah begehbar sind aber unter keinen Umständen zu früh belastet werden dürfen, steht ein gestrichener Raum für eine längere Zeit leer.

Auch die Trocknung ist zu berücksichtigen: ja, die meisten Bodenfarben sind nach 12-24 Stunden begehbar, aber erst nach 3-6 Tagen überstreichbar. Reste an Lösemitteln, sei es Wasser oder Terpentinersatz, müssen komplett aus der Unterschicht entwichen sein. Streicht man dann zu früh, bleibt die Bodenbeschichtung über Monate weich, es kann sogar zu Ablösungen kommen.

Also: Zeit einplanen.

Holzarten wie Kiefer/Fichte/Tanne sind recht simpel zu streichen, auch Harthölzer wie Eiche oder Teak sind kein Problem.
Buche hingegen ist ein schwieriges Holz für Bodenfarben, da oberflächlich hart aber innerlich elastisch. Die Oberflächenhärte verhindert ein gutes Penetrieren einer Farbe oder Grundierung. Da die Dielen jedoch innerlich weich sind, kann das bei falscher Vorbehandlung zu Abplatzern führen. Schleifen Sie Buchenholz auf Böden daher gut an, damit eine Rauigkeit in der Oberfläche entsteht und die Grundierung besser abbindet. Alles weitere ist dann unkritisch.

Bodenfarben nicht auf senkrechten Flächen verwenden: Mit Ausnahme der reinen Leinölfarbe als Bodenfarbe, sind alle anderen Bodenfarben „fließend“ und verteilen sich auf der Oberfläche. Senkrecht gestrichen, haben Sie recht schnell Tropfnasen, was bei allen unseren Deckfarben sonst eher nicht passiert.

Weitere Informationen zu unserer Bodenfarbe finden Sie hier: Golvfärg