Holz schleifen oder nicht?

Wann man Oberflächen an- oder restlos abschleifen muss

Wann ist Holz schleifen erforderlich

Ist der Altanstrich hundertprozentig intakt, muss auch nicht an- oder abgeschliffen werden. Foto: 123rf-sima

 

Wenn Profis am Werk sind, sieht man häufig, dass die Farbe von Holzfassaden, -türen oder -fenstern zunächst an- oder sogar restlos abgeschliffen wird, bevor ein Renovierungsanstrich folgt. Ja selbst bei mit Farbe gestrichenen Möbeln, hört man immer wieder, dass sie zunächst angeschliffen werden sollten. Aber muss das wirklich immer sein?

Intakte Farbschichten müssen nicht an- oder abgeschliffen werden

Ist die Farbschicht noch intakt, müssen Sie vor dem Anstrich grundsätzlich nicht zu Schleifpapier oder Schleifmaschine greifen. Diese doch recht aufwendige und mitunter auch atemwegsbelastende Prozedur kostet nur Zeit und Mühe und ist insbesondere bei hundertprozentig intakten Altschichten völlig überflüssig. Das gilt insbesondere für deckende Farben. Denn wenn Sie eine intakte Farbschicht an- oder abschleifen, kann schnell zu viel abgeschliffen werden. Schlimmstenfalls wird ein kompletter Neuaufbau inklusive Grundierung erforderlich. Trotzdem hält sich die Mär vom Abschleifen, weil sie zu einer verbesserten Haftung zwischen Alt- und Neuanstrich führen soll. Viel wichtiger aber ist es, eine Renovierungsfarbe zu verwenden, die sich in Bezug auf die Bindemittel mit der alten Farbschicht verträgt. Denn dann übernimmt die intakte alte Farbschicht die Rolle der Grundierung, auf die Sie direkt drauf streichen können. Das ist auch der Grund, warum man in Skandinavien keine Haftvermittler zwischen neuer und alter Farbschicht verwendet. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, frisch lackierte Fingernägel anzuschleifen oder mit einem Haftvermittler zu beschichten, bevor die zweite Schicht mit dem gleichen Nagellack aufgetragen wird.

Oberflächen vorher sorgfältig reinigen

Vor dem Gartenhaus streichen kommt das Abschleifen

Nur wenn der Altanstrich verwittert ist oder bereits abblättert, muss die Altfarbe großflächig abgetragen werden. Foto: Zender

Ist der alte Farbfilm noch intakt – also weder rissig noch stark verwittert – muss die Oberfläche lediglich sorgfältig gereinigt werden. Achten Sie im Außenbereich dabei besonders auf Spritzschmutz am Sockel oder Spinnweben in den Ecken. Bei Altanstrichen mit Öl- oder Alkydharzfarben sollten Sie zudem besonders auf die pulverige Beschichtung – die auch Auskreiden genannt wird – auf den Sonnenseiten  achten, die vor dem Renovierungsanstrich abgewaschen oder mit einem mit Leinöl getränktem Lappen abgewischt werden muss. Das Auskreiden ist übrigens eine Folge der UV-Strahlung, bei der es auf der obersten Farbschicht zu einer Art Sonnenbrand kommt, der die pulverige Beschichtung als Verbrennungsrückstand hinterlässt. So gesehen sind Öl- und Alkydharzfarben selbstreinigend, weil sie sich über die Jahrzehnte immer wieder selbstverjüngen. Somit können auch durch regelmäßiges Überstreichen keine dicken Farbschwarten entstehen.

Wann reichen Wasser und Spülmittel?

Bei intakten Altanstrichen im Innenbereich ist die Reinigung weit weniger aufwendig als im Außenbereich. Sofern sich keine signifikanten Fett- oder Schmutzflecken auf den Oberflächen befinden, ist Wasser mit ein wenig Spülmittel völlig ausreichend. Im Außenbereich genügt das aber nur dann, wenn es wirklich keine sichtbaren Verschmutzungen gibt. Andernfalls werden Reiniger mit einem höheren ph-Wert, wie Terrassen- oder Fassadenreiniger für Holz- und Putzfassaden erforderlich.

Tipp: Mit dem Terrassereiniger lassen sich auch geölte Fußböden hervorragend reinigen.

Verwitterte Lasuren müssen zwingend abgeschliffen werden

Bei Lasuren, also den transparenteren Anstrichen, kommt man zumeist nicht um das Schleifen herum. Insbesondere dann, wenn die Lasur bereits eine Bewitterungszeit von ein bis drei Jahren hinter sich hat und sie von der Sonne schon stark heruntergebrannt ist. Verwitterte Lasuren müssen also zwingend abgeschliffen werden. In den seltenen Fällen, in denen eine Lasurschicht auch nach Jahren noch intakt ist, muss sie auch nicht angeschliffen werden. Aufgrund ihrer hauchdünnen Schicht, wäre sie ohnehin ruck, zuck abgetragen. Daher gilt auch hier: Oberflächen gut säubern und mit einer Lasur oder deckenden Farbe überstreichen, deren Bindemittel sich mit dem Voranstrich vertragen.

Übrigens: In Skandinavien werden Außenhölzer generell nicht lasiert. Die Standzeiten sind einfach zu kurz und Renovierungsanstriche erfordern mit viel Schleiferei einen hohen Aufwand. Das macht Anstriche mit Lasuren kostspielig und kann – wenn Renovierungsintervalle nicht eingehalten werden – zu Holzschäden führen.

Wann ist Holz schleifen erforderlich?

Bei nicht mehr intakten Farbschichten reicht das bloße Reinigen natürlich nicht aus. Das Holz schleifen müssen Sie immer dann, wenn

die Oberfläche durch Spannungsrisse im Holz einen Riss bekommen hat. Dann schleifen Sie die Abbruchkante an bis Sie auf feste Farbe oder Lasur treffen. Anschließend wird die Schadstelle lediglich überstrichen.

Altanstriche verwittert sind oder bereits abblättern. In diesen Fällen muss die Altfarbe großflächig abgetragen werden. Sollten Sie dabei auf Bereiche stoßen, die sich partout nicht abschleifen lassen, können sie diese festen und intakten Farbschichten auch stehen lassen. Sie dienen dann als Grundierung für die neue Farbschicht.

Manche Farben lassen sich schlecht oder gar nicht schleifen

Besteht der Altanstrich aus einer Acryl- oder Acrylatfarbe können Sie das Abschleifen meist komplett vergessen, denn die meisten dieser Plastikfarben würden das Schleifpapier sofort zusetzen. Bei Beschädigungen an der Farbschicht kommen Heißluft und Spachtel oder die recht aufwendigen Verfahren des Sand- oder Eisstrahlens zum Einsatz. Bei Verwendung dieser Farben sollten Sie aber bedenken, dass sie genau wie Öl- oder Alkydharzfarben durch UV-Strahlung verbrennen. Allerdings entsteht dabei kein auskreidendes Pulver. Weil Kunststoffe gröber verbrennen, rieseln Micro-Plastikpartikel zu Boden, die über das Erdreich in die Gewässer gelangen können.

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