Selbst abtönen von Farbe

Abtönpasten sind mit Vorsicht zu genießen

Selbst abtönen von Farbe

Farben so miteinander zu mischen, dass keine Fehlfarben entstehen, bleibt immer experimentell. Foto: 123rf/Oleg Doroshin

 

Erinnern Sie sich noch? Früher gab es im Baumarkt oder Farbenfachhandel noch jede Menge Fläschchen mit Abtönpasten neben den Farbeimern. Doch seit es bei fast jedem Händler einen Farbmischservice samt computergesteuerter Mischmaschine mit Rüttler gibt, ist das selbst abtönen von Farbe aus der Mode gekommen. Man wählt einfach den Farbton anhand einer Farbkarte aus und lässt sich die Wunschfarbe exakt anmischen.

Doch was, wenn der angemischte Farbton auf der Wand dann völlig anders wirkt? Auf die Einflüsse des Lichts auf die Farbwahrnehmung sind wir bereits an anderer Stelle eingegangen. Was also tun? Den angebrochenen Farbeimer kann man ja kaum wieder zurückgeben.

Es kann eine Menge schiefgehen

Wer jetzt zu der guten alten Abtönpaste greift, um zu retten, was zu retten ist, sollte sich auf mögliche Überraschungen einstellen. Nehmen wir das Beispiel, aus weißer Farbe mit Hilfe einer schwarzen Abtönpaste ein Grau zu mischen:  Wenn’s dumm läuft, ist das Grau am Ende blaustichig. Das liegt an den Pigmenten bzw. ihrer jeweiligen Konzentration in den Farben. Diese Farbverschiebungen nennt man Metamerien. Versucht man diese Fehlfarben durch ein weiteres Pigment, zum Beispiel rot, zu korrigieren, kann die Farbe dunkler werden oder einen Stich ins Violette erhalten. Statt die Farbe zu retten, ist sie nun endgültig reif für die Tonne.

Eine Farbe ist wie ein Kuchen

Farben werden ähnlich wie Kuchen nach festgelegten Rezepturen hergestellt. Hält man sich grammgenau an alle Zutaten, wird der Kuchen gelingen. Die Zutaten für eine Farbe bestehen aus Bindemitteln (wie Öle, Alkydharz, Acryl/Acrylat), Pigmenten und Lösemitteln (Wasser oder Terpentinersatz). Bindemittel und Pigmente werden als Fest- und Füllstoffe bezeichnet, weil sie den Festkörperanteil der Farbe bilden, aus dem der spätere Farb- oder Lasurfilm entsteht, sobald die Lösemittel entwichen sind. Das Bindemittel im Kuchen sind die Eier, das Mehl ist der Füllstoff und Milch oder Wasser sind die Lösemittel. Mischt man einfach zu viel Mehl in den Kuchenteig, wird der Kuchen zu trocken und zerkrümelt beim Anschneiden. Ähnlich verhält es sich mit Farben: Sie verlieren an Bindefähigkeit, wenn zu viel Pigment hinzu gemischt wird, so dass sie spröde und instabil werden. Damit verbunden entsteht das Problem, dass überpigmentierte Farbe abfärben kann, wenn man an der Farbschicht reibt bzw. im Außenbereich Regen und Hagel dagegen schlagen.

Fazit: Farben so miteinander zu mischen, dass keine Fehlfarben entstehen, bleibt immer experimentell, soweit man nicht vom Fach ist.

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