Trocknungszeiten von Farben

Was bedeutet eigentlich „nass in nass“?

nass in nass streichen

Streichen Sie Lacke, Farben und Lasuren immer eher dünn, damit die Farbschicht adäquat durchtrocknen kann. Foto: 123rf-pixelrobot

 

Profis streichen „nass in nass“ ist immer wieder im Internet zu lesen – sogar bei renommierten Farbenherstellern. Gemeint ist damit, Farbe mit der Rolle so aufzutragen, dass die bereits gestrichene Fläche noch nicht getrocknet ist.

Ursprung liegt in der Ölmalerei

Der Ursprung dieses Verfahrens stammt aus der Ölmalerei, wenn der Künstler bei einem Gemälde in die noch feuchte Farbe einen anderen Farbton zum Bespiel als Verlauf hineingepinselt hat. Nass in nass zu streichen, hat aber auch heute noch seine Berechtigung – allerdings nur beim Streichen von Wand- oder Tapetenfarben, um Ansätze der Rolle wegzurollen. Dispersionsfarben werden aber ohnehin eher „satt“ gerollt, damit der Farbfilm nicht zu dünn ausfällt.

Übrigens: Wenn Sie zu stark auf die Rolle drücken, um auch noch den letzten Rest Farbe heraus zu quetschen, produzieren Sie automatisch bleibende, unschöne Spuren an der Wand.

Lacke brauchen Zeit zum Trocknen

Lacke besser nicht nass in nass streichen

Vor dem zweiten Anstrich sollte die Farbe gut durchgetrocknet sein. Foto: Schwedischer Farbenhandel

Unter nass in nass lackieren versteht man, wenn ein weiterer Lackauftrag schon nach kurzer Ablüftzeit direkt auf eine noch feuchte Lackschicht aufgetragen wird. Ulf Feuerstein, Geschäftsführer Schwedischer Farbenhandel, hält das für totalen Unfug, weil das bei einer Vielzahl von Farbarten gar nicht funktioniert. „Wir haben immer wieder Kunden, die auf eine frische Farbschicht viel zu früh gestrichen haben“, sagt er. Auch wenn eine Farbschicht oberflächlich nicht mehr klebe und sich anfassen lasse, könne sie tiefer unten noch weich sein, weil Lösemittel wie Wasser oder Terpentinersatz noch nicht ausgegast sind. „Wird die Schicht also zu früh überstrichen“, so Feuerstein, „werden die Lösemittel in der unteren Schicht eingebunden“. Die Folge: Die obere, neue Farbschicht braucht Wochen oder Monate bis sie komplett ausgehärtet ist, weil sie durch minimale Mengen an Lösemitteln in der unteren Schicht weich gehalten wird.

Viel nützt nicht viel

Der Tipp vom Fachmann lautet daher: „Streichen Sie Lacke, Farben und Lasuren immer eher dünn, damit die Farbschicht adäquat durchtrocknen kann“. Weil die meisten Farben zuerst an der Oberfläche antrocknen und von dort aus fester werden, bestehe bei einer zu dicken Schicht die Gefahr, dass letzte Reste an Lösemitteln irgendwann nicht mehr bis an die Oberfläche gelangen können. „Streichen Sie einmal zu dick, um Zeit zu sparen“, warnt Feuerstein, „kann das Ergebnis schlimmstenfalls grauenhaft aussehen!“ Druckstellen durch Kontakt, faltige Oberflächen oder Spannungsrisse seien keine Seltenheit.

Fazit: Lieber dreimal sehr dünn streichen, als einmal zu dick:

– dünne Anstriche trocknen schneller

– sind früher überstreichbar

– sind sehr rasch oberflächenfest

– und dadurch unempfindlich gegenüber Druck.

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