Typisch schwedisch

Geschichten und Legenden rund um das Schwedenrot

Geschichten um das Schwedenrot

Um Falu Röd, das Schwedenrot, ranken sich viele Legenden und spannende Geschichten. Foto: fotolia-Jens Klingebiel

 

Warum rot gestrichene Holzhäuser so typisch für Schweden sind, haben wir bereits in einem früheren Beitrag behandelt, aber um Falu Röd, in Deutschland besser bekannt als Schwedenrot, ranken sich so viele Legenden und spannende Geschichten, dass sie hier an dieser Stelle unbedingt einmal erzählt werden müssen.

Die vermutlich älteste, noch verwendete Farbe der Welt

Für die echte Falu Rödfärg (rote Farbe aus Falun) kommt ein einzigartiges Eisenoxid-Pigment zum Einsatz. Erste Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1573, als Johan III., Sohn des bekannten schwedischen Königs Gustav Vasa (dessen Schiff direkt nach dem Stapellauf im Hafen von Stockholm unterging), einen ersten Kaufvertrag mit der Kupfermine in Falun unterzeichnete. Wenngleich die Farbe auch zu dieser Zeit bereits jahrzehntelang verwendet wurde und entsprechend bekannt war, wird das Jahr 1573 offiziell als Startdatum für die Herstellung von Falu Rödfärg bezeichnet. Damit ist sie vermutlich die älteste noch verwendete Farbe der Welt, die in gleichbleibender Zusammensetzung bis heute hergestellt wird.

Noch immer sehr viel Handarbeit nötig

Damals wie heute ist die Herstellung des Pigments ein langwieriger Prozess, der trotz Industrialisierung immer noch sehr viel Handarbeit erfordert. Ausgangsstoff ist der kupferarme Mulm, der als Abfallprodukt bei der Kupfererzgewinnung als „Müll“ rund um die Mine im schwedischen Falun angehäuft wurde. Die Kupfermine verlor zwar Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung, die Mulmhügel aber sind geblieben. Im Laufe der Jahre reagiert das im Mulm enthaltene Eisenerz mit der Feuchtigkeit und oxidiert. Man könnte auch sagen, es rostet. Im Turnus von etwa 20 Jahren werden die Gesteinsbrocken von freigegebenen Hügeln gewaschen, gerieben und nach Größe ausgelöst. In Wasser sedimentiert das Eisenoxid, das nach dem Abpumpen des Wassers als „Schlamm“ bezeichnet wird. Nach dem Trocknen gelangt der Schlamm in einen Brennofen, denn das Eisenoxid ist nicht etwa rot wie die spätere Farbe, sondern eher Ocker bis hellbraun. Erst während des Brennvorgangs verändert sich die Farbe von gelbbraun, über rot bis hin zu schwarz. Dabei hängt der spätere Farbton ganz entscheidend von der Temperatur ab. Während man für das klassische Rot rund 700 Grad braucht, sind für schwarz weit höhere Temperaturen erforderlich. Das bedeutet, dass alle vier Grundfarben – helles Schwedenrot (Falu Ljusröd), Schwedenrot (Falu Röd), grau (Falu Grå) und schwarz (Falu Svart) auf dem gleichen Pigment basieren, dass nur bei unterschiedlichen Temperaturen gebrannt wird. Weil so ein Brennprozess aber nicht auf das Grad genau ablaufen kann, werden immer wieder Stichproben entnommen, um den Farbton zu kontrollieren. Und das kann bis heute keine Maschine leisten, so dass es hier immer noch auf die Erfahrungen und das geschulte Auge des Menschen ankommt.

Übrigens: Die ausgewaschenen Gesteinsreste werden anschließend wieder auf entsprechende Hügel geschüttet und dort erneut dem Oxidationsprozess ausgesetzt, ehe nach zirka 20 Jahren eine weitere „Ernte“ erfolgen kann. Somit ist das sich hartnäckig haltende Gerücht, das Pigment sei in 20, spätestens aber in 80 Jahren aufgebraucht, dummes Zeug. Der Hersteller geht davon aus, dass es noch 100 bis 200 Jahre dauern kann, bevor ein Ende absehbar wird.

Rezeptur von 1764

Nach dem Brennen wird das Pigment feingemahlen und mit Wasser, Leinöl und Weizenmehl aufgekocht. Diese Rezeptur besteht seit 1764 unverändert, als man begann, Farben industriell herzustellen. Eine weitere, noch ältere Rezeptur ohne Leinöl wird daneben bis heute für den Einsatz an denkmalgeschützten Gebäuden in Schweden angeboten. Was zudem kaum einer weiß: Bis ins späte 19. Jahrhundert war das helle Falu Ljusröd der einzige Rotton. Trotzdem wird das dunklere Schwedenrot Faluröd irrtümlich oft als „das Original“ bezeichnet.

Leichte Farbabweichungen möglich

Aufgrund der nicht automatisierten Brennvorgänge, kann es zu leichten Farbabweichungen kommen. Deshalb wird das gebrannte Pigment auch immer wieder untereinander gemischt. Etwa wenn sich ein Silo langsam leert und ein neues angegangen wird. So lassen sich Schwankungen im Ton weiter minimieren. Trotzdem kann es von Charge zu Charge bzw. von Jahr zu Jahr immer wieder zu geringen Farbabweichungen in der fertigen Farbe kommen. Umso wichtiger ist es, beim Streichen einer Fassade auf Farbeimer aus einer Charge zu achten.

Mehr Geschichten und Legenden über die außergewöhnliche „rote Farbe“ folgen in lockerer Folge.

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